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Häufig gestellte Fragen über mein Schreiben historischer
Romane
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Frau Beyerlein, Sie sind durch historische
Abenteuerromane für Jugendliche bekannt geworden,
später sind andere Arten von Büchern hinzugekommen.
Seit wann schreiben Sie und womit beschäftigen Sie
sich gerade? |
Mein erstes Buch ist 1987 erschienen, mein dreißigstes
habe ich soeben abgeschlossen. Anfangs habe ich vor allem
Jugendromane geschrieben, die in vor- und frühgeschichtlicher
Zeit spielen - von der Steinzeit bis zum frühen Mittelalter,
aber auch im Hochmittelalter -, später sind auch entsprechende
Erzählungen für Kinder hinzugekommen und ein im
3. Jahrtausend v. Chr. handelnder Roman für Erwachsene.
In den letzten Jahren habe ich mich intensiv mit dem 19. Jahrhundert
beschäftigt. Ich habe eine Roman-Trilogie geschrieben,
die im Berlin des deutschen Kaiserreichs spielt, und als letztes
einen Kinder- und Jugendroman aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Er wird im September 2010 erscheinen. Doch daneben habe ich
auch einige Fantasy-Romane sowie realistische Kindergeschichten
geschrieben.
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Warum schreiben Sie ausgerechnet historische
Romane? |
Ich liebe beides: das Recherchieren und das Schreiben, und
ich liebe vor allem, das Schreiben aus der Recherche zu entwickeln,
meine Ideen sich immer wieder an den Fakten reiben zu lassen,
zu versuchen beidem gerecht zu werden – der (prä)historischen
Realität und den inneren Erfordernissen meiner Handlung.
Ich interessiere mich für die Vergangenheit und habe
viel aus der Beschäftigung mit ihr gelernt, ich erschließe
mir mit jedem Roman, an dem ich arbeite, für mich selbst
ein neues Stück Weltverständnis.
Es sind die Wurzeln, die mich interessieren, die Frage, warum
und wie etwas so geworden ist, wie wir es heute kennen –
und was allgemeinmenschlich ist hinter dem Historischen, dem
Speziellen. Ich finde es spannend, für heute zu schreiben,
indem ich über früher schreibe, in der Verfremdung,
im Umweg über eine fremde Zeit und Kultur dem Heute näher
zu kommen. Denn meine Themen müssen immer beides sein:
Sie müssen eng mit der Zeit zu tun haben, über die
ich schreibe, aber auch relevant sein für die Zeit, für
die ich schreibe. Vor allem aber müssen sie mit mir selbst
zu tun haben, mit dem, was mir am Herzen liegt oder auf der
Seele brennt.
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Haben Sie Geschichte oder Archäologie
studiert? |
Nein, ich habe Psychologie studiert, über ein sozialpsychologisches
Thema promoviert und etliche Jahre in der sozialwissenschaftlichen
Forschung gearbeitet. Deshalb gehe ich auch an jede Recherche
für einen neuen historischen oder prähistorischen
Roman mit ungebrochener Neugier und der Faszination, etwas
Neues erfahren zu dürfen, heran. Den Blick des Sozialwissenschaftlers
habe ich mir jedoch bei meiner Beschäftigung mit Archäologie
und Geschichte bewahrt. Immer wieder interessiere ich mich
vor allem für die Gesellschaftsformen, die zwischenmenschlichen
Beziehungen, die Rollenbilder, die individuellen Freiheitsgrade
und gesellschaftlichen Beschränkungen - und für
die inneren und äußeren Konflikte, die daraus erwachsen.
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Wie kommen Sie zu den Ideen für
Ihre historischen Bücher? |
Manchmal ist es ein Thema, das mich interessiert, manchmal
ein Epoche, manchmal ein Ort. Besuche in Freilichtmuseen oder
Ausstellungen, das Lesen von Fachbüchern, eine besondere
Landschaft oder ein historischer Ort – all das und noch
viel mehr kann zum Auslöser für ein Idee werden,
doch planen lässt sich dies nicht. Wenn ich mich dann
für eine bestimmte Zeit und eventuell auch schon für
einen bestimmten Ort der Handlung entschieden habe, kommt
eine Phase intensiver Recherche, die von etlichen Monaten
bis zu über einem Jahr dauern oder sich auch einmal über
Jahre begleitend neben der Arbeit an anderen Projekten hinziehen
kann. Aus den Informationen, die ich vor allem aus Fachpublikationen,
Museumsbesuchen und Gesprächen mit Fachwissenschaftlern
– und bei in historischen Zeiten spielenden Romanen
aus dem Quellenstudium - gewinne, entstehen immer wieder neue,
anfangs noch unverbindliche Ideen, die ich sozusagen probeweise
reifen lasse, bis ich plötzlich weiß: Das ist es.
Dann ist der Zeitpunkt gekommen, um die Recherche zurücktreten
zu lassen und mit dem Schreiben zu beginnen.
Die besten Ideen während des Schreibprozesses kommen
bei mir in einer Art Zwischenzustand zwischen Wachen und Träumen.
Ideen kann ich nicht machen. Die Recherche ist eine notwendige
Voraussetzung, aber sie allein reicht nicht aus: Inspiration
ist ein Geschenk.
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Welche Schritte gehören bei Ihnen
dazu, bis ein Text fertig ist? |
Voraussetzung ist erst einmal, wie gesagt, eine solide und
möglichst breit gefächerte Recherche, die unterschiedliche
Fachdisziplinen einbezieht. Dann folgt das erste Niederschreiben
des Romans als der kreativste und essentiellste Teil des Prozesses,
bei dem ich ganz in meine Geschichte eintauche, der Inspiration
vertraue und tief aus dem Unbewussten schöpfe, auch wenn
ich die Ergebnisse der Recherche dabei sozusagen im Hinterkopf
behalte. Doch bei dieser ersten Niederschrift bleibt es nicht,
oft geht danach erst die Hauptarbeit los: das Umschreiben,
das teilweise neu Konzipieren, das Korrigieren, die Arbeit
am Detail. Nun ist es manchmal auch noch nötig, ganz
gezielt zu einigen fraglichen Punkten weitere Recherchen anzustellen
und dementsprechende Korrekturen anzubringen. Meistens bitte
ich dann auch einen oder mehrere Fachwissenschaftler, sich
meinen Text auf Stimmigkeit und sachliche Richtigkeit anzusehen.
Mit meinem Lektor bzw. meiner Lektorin und mit guten Freundinnen
und Freunden diskutiere ich die äußere und innere
Handlung meiner Geschichte und manchmal auch die literarische
Umsetzung. Das Gespräch über meinen Text ist mir
beim Überarbeiten unersetzlich.
Aus einem Interview der Universität Erlangen-Nürnberg
EWF, Lehrstuhl für Deutsch als Zweitsprache,
Regensburger Str. 160, 90478 Nürnberg
WS 2003/2004
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Mögen Sie Ihre Schrift oder schreiben
Sie lieber mit der Maschine oder am PC? Warum? |
Ich schreibe nur am PC, das ist eine riesige Arbeitsersparnis.
Im übrigen halte ich es für reine Gewohnheit, wie
man schreibt.
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Was bedeutet "Schreiben"
für Sie? |
Schreiben ist ein zentraler Teil meines Lebens, ein sehr
intensives Lebensgefühl, die Rückkehr zu meiner
Quelle. Es ist meine Art, das Leben zu verarbeiten und meine
Sicht weiterzugeben, meine Suche nach der Wahrheit, ein Schöpfen
aus den Tiefen des Unbewussten – verbunden mit sehr
rationaler Vorarbeit. Wenn es gut ist, ist es das Gefühl,
etwas niederzuschreiben, was schon immer existiert hat, was
nur darauf gewartet hat, durch mich Gestalt anzunehmen.
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Welche Themen reizen Sie für Ihre
literarische Produktion? |
Immer die, die mir gerade selbst unter den Nägeln brennen.
Generell reizen mich Umbruchsituationen, Übergangsstadien,
Initiationen.
Immer wieder interessieren mich „Frauenfragen“:
Unterdrückung, Benachteiligung, Durchbrüche von
Mädchen und Frauen in der Geschichte.
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Wie fühlen Sie sich, wenn Ihnen
nichts einfällt? |
Lange Jahre kannte ich das gar nicht. Dann lernte ich es
kennen und war sehr unruhig damit. Inzwischen nehme ich es
(meist) mit stoischer Gelassenheit.
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Was tun Sie bei Schreibblockaden? |
Etwas völlig anderes. Lesereisen machen oder für
ein Buch recherchieren. Mein Leben leben. An meiner inneren
Entwicklung arbeiten. Nicht ans Schreiben denken. Mich daran
erinnern, dass das Schreiben ein Geschenk ist, das man nicht
zwingen kann, nur einladen.
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